In der Regel verbindet man mit der Feuerwehr die klassische Brandbekämpfung.
Der Alltag sieht aber anders aus. Nur etwa 25% der Einsätze sind auf Brände oder Brandmeldeanlagen zurück zu führen.
Der deutlich größere Teil fällt unter anderem auf den Bereich der technischen Hilfeleistung. Aber was genau ist das eigentlich?

Dazugezählt werden Hilfeleistungen für den Rettungsdienst, wie Transporthilfe und Türöffnungen, Beseitigung von Sturmschäden, Tiere in Not, Wasserschäden und stecken gebliebene Aufzüge. Aber auch schwere Unfälle mit eingeklemmten Personen oder Personenunfälle mit der Bahn. 2018 kamen so für die ganze Honnefer Wehr 92 Einsätze im Bereich TH zusammen, dieses Jahr bereits 49.

Gerade die komplexeren TH-Einsätze, wie in PKWs eingeklemmte Personen, sind für die Feuerwehr eine große Herausforderung. Eine Vielzahl von Faktoren sorgt dafür, dass die vermeintlich gleiche Lage im nächsten Einsatz komplett anders abgearbeitet werden muss. Das jeweilige Fahrzeug, die Schwere der Verletzungen der eingeklemmten Person, der Untergrund, die Umgebung, Tageszeit, Wetter, usw. beeinflussen den Einsatzablauf massiv. Daher kann man auch verstehen, dass die Übungsszenarien möglichst komplex und realitätsnah sein müssen.

So wurde das Wochenende nach Ostern zur Schwerpunktübung TH für die Löschzüge Aegidienberg und Bad Honnef genutzt.
In Aegidienberg wurde die patientenorientierte Rettung aus einem PKW geübt. Also für den Patienten möglichst schonend. Das klappt aber nur, wenn medizinisch keine maximale Eile geboten ist. Durch die große Unterstützung der Firma Hack in Windhagen war es möglich, unter sehr realistischen Bedingungen an verunfallten Fahrzeugen eine schonende Personenrettung durchzuführen. Drei unterschiedliche Szenarien konnten geübt und diskutiert werden. Bereits am Vortag fand ein theoretischer Unterricht statt, um die Kenntnisse zu vertiefen.
Der Löschzug Bad Honnef konzentrierte sich auf ein Szenario im Wald. Gerade bei der Vielzahl an Sturmschäden der vergangenen Monate eine sinnvolle Übung. So wurden zwei Personen unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt. Verschiedene Rettungswege wurden ausprobiert und besprochen.

Am Freitag, 30. November 2018, kam es zu einer Explosion in einem Gewerbebetrieb im Bad Honnefer Süden. Glücklicherweise handelte es sich dabei um die Jahresabschlussübung des Löschzuges Bad Honnef. Geübt wurde ein großes Szenario, an dem mehrere Einheiten verschiedener Organisationen beteiligt waren. Übungsleiter Thomas Weiss hatte mit weiteren Helfern einen komplexen Einsatz gestaltet.

Neben dem Löschzug Bad Honnef und dem Löschzug Rheinbreitbach, nahm an der Übung auch der Rettungsdienst des Rhein-Sieg-Kreises teil. Die Malteser Bad Honnef, das DRK Bad Honnef, DRK Niederkassel und die leitenden Notärzte des Rhein-Sieg-Kreises waren bei der Übung im Einsatz. Geübt wurde seitens des Rettungsdienstes die geordnete Aufstellung von vielen Einsatzfahrzeugen und die Einrichtung einer Patientenablage. Diese dient der gleichzeitigen Behandlung von mehreren Patienten, wenn der Rettungsdienst alleine aufgrund einer höheren Patientenzahl überlastet ist.

Aber auch für die Feuerwehr stellt eine hohe Patientenzahl eine große Herausforderung dar. Schließlich müssen diese gerettet und betreut werden. Das heißt, dass sehr schnell sehr viel Personal an der Einsatzstelle gebraucht wird. Besonders herauszustellen war bei der Übung das reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Einheiten. Dabei sind gerade die Kommunikation und die Absprachen der Führungskräfte eine große Herausforderung.

Auch die Einsatzlage an sich war nicht alltäglich. Ein brennendes Gebäude birgt bereits viele Gefahren. Nach einer Explosion liegen aber Trümmerstücke herum und die Struktur des Gebäudes ist eventuell nicht mehr stabil. Hinzu kamen Gefahrstoffe, wie Gasflaschen, die sich noch im Gebäude befanden und auch aus der Gefahrenzone gebracht werden mussten. Neben der Personensuche und Brandbekämpfung, musste eine Person auch mit hydraulischem und pneumatischem Gerät gerettet werden. Es wurde also das volle Leistungsspektrum der Retter eingefordert.

Pünktlich um 8 Uhr ging es am Samstag, 20. Oktober, los, die Mitglieder der Jugendfeuerwehr kamen zum Dienst auf die Wache in der Selhofer Straße.

Nach einer kurzen Ansprache und der Fahrzeugbelegung wurde der Tag bei einem gemeinsamen Frühstück begonnen. Noch während des Frühstücks kam die Alarmierung „ausgelaufener Kraftstoff in den Weinbergen“. Der GWL und das LF10 – besetzt mit dem Feuerwehrnachwuchs - machten sich direkt auf den Weg um diese Ölspur (bestehend aus Kakao und Wasser) zu beseitigen. Parallel dazu wurde das TLF 4000 zu einer Ölspur an der Endhaltestelle gerufen. Der Tag war gestartet…

Gegen 10:30 Uhr ging dann ein erneuter Alarm ein. Gemeldet wurde „einlaufende Brandmeldeanlage der Firma Confiserie Coppeneur et Compagnon GmbH in Aegidienberg“. Alle Fahrzeuge machten sich direkt auf den Weg dorthin. Bereits Vorort wurden wir von Frau Coppeneur empfangen. Sie wies uns den Weg zur Brandmeldezentrale. Der Hinweis „Ausgelöster Brandmelder im Dachgeschoss“ lies einen Brand im oberen Gebäude vermuten. Die Jugendfeuerwehr rüstete sich mich Atemschutz und Kleinlöschgerät aus und ging über die Außentreppe auf das Dach und dann in die oberen Räumlichkeiten. Nach intensiver Erkundung konnte kein Brand oder ähnliches festgestellt werden. Als sie das Gebäude durch den nach leckerer Schokolade riechenden Verkaufsraum verließe, staunte die Kundschaft nicht schlecht.

Kaum wieder auf der Wache angekommen, wurden die Fahrzeuge wieder fit gemacht mit dem Dienstsport begonnen. Ein Alarm störte diesen. Gemeldet wurde ein „Tiefgaragenbrand im Physikzentrum Bad Honnef – mit vermissten Personen“. Bei der Ankunft war schnell klar, dass auch die darüber befindlichen Schlafräume von dem Brand betroffen waren. Man vermutete mehrere Verletzte und alarmierte das Deutsche Rote Kreuz Bad Honnef. Sven Champion und Philipp Klein haben sich im Vorfeld dazu bereit erklärt die Jugendfeuerwehr aus medizinischer Sicht bei der Übung zu Unterstützen. Mehrere Trupps gingen mit Ihrer Ausrüstung unter „Atemschutz“ in die Tiefgarage vor. Im zweitem vernebelten Untergeschoss fanden sie zwei vermisst gemeldete Personen (Puppen). Eine befand sich zum Teil unter einem Fahrzeug und musste dort hervor und nach draußen gebracht werden, eine weitere befand sich in einer Ecke. Schnell hatten die Jugendlichen die Personen gefunden und konnten diese draußen dem Rettungsdienst übergeben. Das Feuer konnte ebenfalls schnell gelöscht werden.
Parallel zum Gang in die Tiefgarage wurden weitere Trupps in die Schlafräume geschickt. Hier konnten insgesamt 5 Personen (Verletztendarsteller), welche sich in unterschiedlichen Zimmern befanden - gerettet werden. Eine Person drohte sogar aus dem Fenster zu springen um dem Brandrauch zu entgehen. Die Verletztendarsteller konnten entweder zu Fuß oder mittels Drehleiter aus dem Gebäude gerettet und ebenfalls dem Rettungsdienst übergeben werden.
Schnell konnte „Feuer aus, keine Personen mehr im Gebäude“ gemeldet werden und die Jugendlichen wieder einrücken.